Im Tiefkühlregal stehen zwölf Eiscremes. Sechs mit Bio-Siegel, drei mit Sternen vom Test-Magazin, vier mit "0 % Zuckerzusatz" auf der Front. Eine Marke kostet 2,42 Euro, eine andere fast 8 Euro für die gleiche Menge. Welche ist wirklich gut, welche ist Marketing, welche ist sogar problematisch?
Genau hier setzen ÖKO-TEST und Stiftung Warentest an. Beide prüfen pflanzliches Eis nach klaren Kriterien, beide kommen regelmäßig zu deutlichen Aussagen. Im aktuellen ÖKO-TEST 07/2025 sind fünf von zwölf pflanzlichen Eiscremes mit "sehr gut" bewertet, zwei sind durchgefallen. Eine Marke mit "ungenügend", eine mit "mangelhaft". Beides keine kleinen Nischenhersteller, sondern Top-Sellers im Tiefkühlregal.
Dieser Artikel zeigt, wie diese Tests funktionieren, welche Schadstoffe geprüft werden, was MOSH, Pestizide und Verdickungsmittel wirklich bedeuten und wie du das Etikett im Supermarkt selbst lesen kannst, ohne auf das nächste Heft zu warten.
Der ÖKO-TEST-Artikel zum Test pflanzlicher Eiscremes umfasst zwölf Produkte aus deutschen Supermärkten und Bio-Märkten. Sieben Produkte sind konventionell, fünf tragen ein Bio-Siegel. Die Preisspanne reicht von 2,42 Euro bis 7,99 Euro pro 300 Gramm. Alle Produkte arbeiten mit Pflanzenfett als Basis, meist Kokos.
ÖKO-TEST hat im Heft 07/2025 zwölf pflanzliche Eiscremes untersucht. Fünf erhielten die Bestnote "sehr gut", zwei fielen mit "ungenügend" und "mangelhaft" durch. Das Ergebnis-Pattern zeigt: Pflanzliches Eis ist heute nicht automatisch gut. Die Qualitäts-Spreizung im Tiefkühlregal ist groß.
Vier Aussagen aus dem Test, die für jede Kauf-Entscheidung relevant sind:
Die beiden großen deutschen Verbraucherportale prüfen nach unterschiedlichen Schwerpunkten, aber beide kombinieren Labor und Sensorik. Wer beide Tests vergleicht, bekommt das vollständigere Bild.
ÖKO-TEST untersucht im Labor auf Schadstoffe, Pestizid-Rückstände, Mineralölbestandteile, Verdickungsmittel und prüft die Nährwert-Deklaration. Ergänzend gibt es eine Sensorik-Prüfung durch geschulte Tester. Die Gesamtnote setzt sich aus Inhaltsstoffen, Sensorik und weiteren Mängeln zusammen. Schon ein einzelner gravierender Schadstoff-Fund kann die Note auf "mangelhaft" oder "ungenügend" drücken.
Stiftung Warentest prüft im Vanilleeis-Test von Heft 07/2024 19 Sorten Vanilleeis, davon drei pflanzliche. Schwerpunkt liegt auf Geschmack, Konsistenz, Vanille-Anteil, Schadstoffen und Nährwerten. Im Cookie-Eis-Test wurden 18 Eissorten geprüft, darunter pflanzliche Varianten und zuckerreduzierte Sorten.

Die wichtigsten Methodik-Achsen beider Tests:
| Achse | ÖKO-TEST | Stiftung Warentest |
|---|---|---|
| Schadstoffe im Labor | Schwerpunkt | Ja, aber weniger gewichtet |
| Sensorik (geschulte Tester) | Ja | Schwerpunkt |
| Nährwert-Deklaration | Ja | Ja |
| Zutatenliste-Bewertung | Streng | Streng |
| Bio-Differenzierung | Explizit | Eher implizit |
| Preis-Leistung | Ja | Ja |
Wer den Methodik-Vergleich aus Konsumenten-Sicht ziehen will: ÖKO-TEST ist strenger bei Schadstoffen, Stiftung Warentest stärker beim Geschmack. Beide Quellen ergänzen sich.
In jedem Eis-Test stehen drei bis fünf Schadstoff-Kategorien im Mittelpunkt. Die Begriffe klingen technisch, sind aber für die Bewertung entscheidend.
MOSH (gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe) und MOAH (aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe) sind Rückstände aus Verpackung, Schmierstoffen in Maschinen oder Druckfarben. Sie gelangen über die Verpackung ins Lebensmittel.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung zu Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln bewertet die beiden Stoffgruppen unterschiedlich. MOSH sind nach aktuellem Kenntnisstand bei den üblichen Aufnahmemengen gesundheitlich nicht direkt problematisch, reichern sich aber im Körper an. MOAH gelten als kritischer, weil sie genotoxische Wirkungen haben können.
Für die Test-Note heißt das: Ein hoher MOSH-Wert führt zu Abwertung. Ein nachweisbarer MOAH-Wert kann die Note bis "ungenügend" drücken. Im aktuellen ÖKO-TEST wurde die Marke Cremissimo wegen MOSH-Funden mit "ungenügend" bewertet.
Pestizid-Rückstände stammen aus konventionell angebauten Rohstoffen wie Kokos, Mandel oder Zucker. Glyphosat ist das prominenteste Beispiel. Bio-Produkte haben in der Regel keine oder nur sehr geringe Rückstände, weil chemisch-synthetische Pestizide im Bio-Anbau verboten sind.
Für die Test-Note heißt das: Mehrere Pestizid-Rückstände auf einem Produkt führen zu Abwertung. Die Marke Mövenpick erhielt im aktuellen ÖKO-TEST die Note "mangelhaft" wegen Pestizid-Funden in der Cherry-Brownie-Variante. Weitere Hintergründe zur Bewertung von Pestizid-Rückständen liefert das Bundesinstitut für Risikobewertung in seinen FAQ.
Diese drei Stoffgruppen sind weniger bekannt, aber relevant. 3-MCPD und Glycidyl-Ester entstehen bei der Raffination pflanzlicher Fette, vor allem Palmöl, aber teilweise auch Kokosfett. Ethylenoxid ist ein Begasungsmittel, das früher zur Keimreduktion bei Gewürzen und Verdickungsmitteln eingesetzt wurde und in der EU heute verboten ist. Rückstände tauchen trotzdem manchmal in importierten Rohstoffen auf.
Für die Test-Note heißt das: Nachweise dieser Stoffe sind nicht zwingend Skandal-Niveau, ziehen aber Abwertung nach sich. Die Werte werden meist als "deutlich", "leicht" oder "Spuren" qualifiziert.
Verdickungsmittel sind die zweite große Bewertungs-Achse nach Schadstoffen. Sie sorgen für Cremigkeit, halten das Eis stabil und sparen Fett.
Carrageen (E407) wird aus Rotalgen gewonnen. Es ist in Bio-Eis erlaubt, gilt aber als umstritten, weil Studien einen Zusammenhang mit Darmentzündungen diskutieren. Die Datenlage ist nicht abschließend.
Carboxymethylcellulose, kurz CMC (E466), wird industriell aus Zellulose hergestellt. Sie verdickt Eis, ohne den Geschmack zu verändern. ÖKO-TEST bewertet CMC kritisch, weil sie nicht zum Lebensmittel-Verständnis "natürliche Zutatenliste" passt.
Bei beiden Stoffen gilt: Sie sind zugelassen und im Rahmen der erlaubten Höchstmengen unbedenklich. Wer sie trotzdem meiden will, schaut auf die Zutatenliste. E407 und E466 lassen sich auf dem Etikett in unter zwei Sekunden finden. Andere Verdickungs-Optionen sind Johannisbrotkernmehl (E410), Guarkernmehl (E412) oder Pektin (E440), alle gelten als weniger umstritten.
Im aktuellen ÖKO-TEST wurde die Florida-Eis-Variante "green Vanille Mango Maracuja" wegen Carrageen und CMC kritisiert.
Drei Produkte aus dem aktuellen ÖKO-TEST mit der Note "sehr gut" sind öffentlich genannt. Alle drei teilen eine Eigenschaft: vergleichsweise kurze Zutatenlisten.
Alnatura Haselnusseis, vegan (Bio) kostet 4,16 Euro pro 300 Gramm. Bio-zertifiziert, ohne Carrageen, ohne CMC. Die Sorte taucht in beiden großen Tests in den letzten zwei Jahren mit guten Noten auf. Auch im Stiftung-Warentest-Vanilleeis 07/2024 schnitt Alnatura mit "gut" ab.
Eis Macht Glycklich Haselnuss, vegan kostet 4,98 Euro pro 300 Gramm. Kleinere Marke, kurze Zutatenliste, kein Bio-Siegel. Beweist, dass auch konventionell hergestelltes pflanzliches Eis Bestnote erreichen kann.
Ben & Jerry's Cookies on Cookie Dough Non-Dairy kostet 5,05 Euro pro 300 Gramm. Die einzige der drei mit klassischer Stückchen-Komposition (Cookie-Dough, Schoko-Stücke). Zeigt: Auch indulgentes pflanzliches Eis mit Stückchen kann den Test bestehen, wenn die Rezeptur sauber ist.
Was die drei gemeinsam haben: Übersichtliche Zutatenlisten, keine kritischen Verdickungsmittel, keine auffälligen Schadstoff-Werte. Die Note ist also keine Frage der Marken-Größe, sondern der Rezeptur.
Zwei Marken sind im aktuellen Test durchgefallen. Beide sind keine kleinen Hersteller, sondern Top-Sellers im deutschen Tiefkühlregal.
Cremissimo Bourbon Vanille, vegan: Note "ungenügend". Hauptgrund: Mineralölbestandteile (MOSH-Funde) über dem von ÖKO-TEST akzeptierten Niveau. Der Preis von 2,90 Euro pro 300 Gramm liegt im günstigen Mittelfeld.
Mövenpick Urban Moments Cherry Brownie: Note "mangelhaft". Hauptgrund: Pestizid-Rückstände. Der Preis von 2,42 Euro pro 300 Gramm ist der günstigste im Test.
Selbst etablierte Marken können bei der Schadstoff-Prüfung durchfallen. Marken-Größe ist kein Qualitätskriterium. Diese Aussage ist die wichtigste Lehre aus dem Test. Wer auf der sicheren Seite kaufen will, schaut nicht auf den Marken-Namen, sondern auf die Zutatenliste und das Bio-Siegel.
Was Käufer:innen konkret daraus mitnehmen: Wenn eine Marke in einem aktuellen Test durchgefallen ist, lohnt sich der Wechsel. Selbst wenn der Preisunterschied zwei oder drei Euro pro Becher beträgt. Die Differenz zwischen "ungenügend" und "sehr gut" ist im Eis-Markt real.
Wer nur einen Test liest, bekommt nur ein Bild. Wer beide großen Tests vergleicht, sieht Muster.
Im Vanilleeis-Test von Stiftung Warentest standen 19 Sorten auf dem Prüfstand. Drei davon waren pflanzlich, basiert auf Lupinen, Soja oder Kokos. Elf Produkte schnitten mit "gut" ab, zwei waren "mangelhaft" wegen zu wenig Vanille oder Fremdaromen.
Das beste pflanzliche Eis im Vanilleeis-Test war Alnatura mit der Note "gut". Damit erscheint Alnatura in beiden großen Tests (ÖKO-TEST 07/2025 und Stiftung Warentest 07/2024) mit positiven Bewertungen, ein seltenes Pattern.
Was beide Tests gemeinsam zeigen:
Beim Cookie-Eis-Test 2024 zeigt sich ein ähnliches Muster: Pflanzliche Sorten können mithalten, wenn die Rezeptur sauber ist. Stückchen, Cremigkeit, Geschmack sind heute kein Domain mehr von Milcheis.
Niemand kauft Eis mit dem Heft in der Hand. Aber die wichtigsten Test-Kriterien lassen sich am Tiefkühlregal selbst prüfen. Eine 6-Punkte-Checkliste reicht.
1. Zutatenliste-Länge. Je kürzer, desto besser. Sechs bis zehn Zutaten ist ein guter Bereich. Fünfzehn Zutaten oder mehr ist ein Warnsignal.
2. Bezugsgröße der Nährwerte. Eis wird teilweise pro 100 ml deklariert, teilweise pro 100 g. Die ml-Angabe lässt Zucker, Fett und Kalorien optisch niedriger erscheinen, weil Eis Luft enthält. Pro 100 g sind die Werte rund ein Drittel höher. Wer Produkte vergleicht, rechnet auf dieselbe Einheit um. Der Lebensmittelverband Deutschland zur Lebensmittelkennzeichnung erklärt, welche Bezugsgrößen rechtlich erlaubt sind.
3. Verdickungsmittel-E-Nummern. E407 (Carrageen), E466 (CMC) sind die zwei kritischsten. E410 (Johannisbrotkernmehl), E412 (Guarkernmehl), E440 (Pektin) sind die weniger umstrittenen Alternativen.
4. Bio-Siegel. Das EU-Bio-Logo bedeutet: keine chemisch-synthetischen Pestizide, kein Gentechnik-Einsatz. Es ist kein Qualitäts-Stempel im Sensorik-Sinne, aber ein Filter bei Schadstoffen.
5. Allergen-Auszeichnung. Die 14 EU-Hauptallergene müssen in der Zutatenliste fett hervorgehoben sein. Bei pflanzlichem Eis sind Soja, Schalenfrüchte, Erdnüsse und Gluten die häufigsten. Wer in der Familie Allergien hat, scannt diese Zeile zuerst.
6. Sorte und Bezugswert. "Bourbon-Vanille" muss laut Deutschem Lebensmittelbuch echte Vanille enthalten. "Vanille-Geschmack" reicht nicht. Wer den Unterschied lernen will, schaut bei der Verbraucherzentrale zur Qualität von Speiseeis vorbei.
7. Pflanzenfett-Basis prüfen. Auf der Zutatenliste steht meist Kokosfett, Sonnenblumenöl oder ein Pflanzenfett-Mix. Kokosfett bringt 17 bis 24 Prozent Fettanteil mit und sorgt für Cremigkeit ohne Sahne. Hafer- oder Mandelmilch-basiertes Eis ist meist weniger cremig, weil der Fettanteil deutlich niedriger liegt. Wer Cremigkeit will, wählt Kokos.
Ein Test im Tiefkühlregal in unter 60 Sekunden: Kurze Zutatenliste, Bio-Siegel, keine E407 oder E466, pro 100 Gramm deklariert, echte Vanille statt Aroma, Pflanzenfett aus Kokos. Wer diese sechs Signale beachtet, kauft selten daneben.
Wer nach diesen sechs Punkten kauft, landet selten beim Durchfaller. Mehr Praxis zu Allergie-Aspekten findest du im Allergiker-Guide, mehr zu Pflanzenmilch-Basen und Cremigkeit im Vergleich Eis ohne Milch im Vergleich. Wer ein Hobby-Tasting plant, findet im Tasting-Guide für die Eisparty zuhause eine Anleitung mit Verkostungsbogen. Und wer einfach den passenden NOMOO-Becher sucht, scrollt durch den Sorten-Guide.
Welches ist das beste pflanzliche Eis?
Im aktuellen ÖKO-TEST 07/2025 erhielten fünf von zwölf Produkten die Bestnote "sehr gut". Öffentlich genannt sind Alnatura Haselnusseis (Bio), Eis Macht Glycklich Haselnuss und Ben & Jerry's Cookies on Cookie Dough Non-Dairy. Welches davon "das beste" ist, hängt von Geschmacksprofil und Preisbereich ab.
Ist pflanzliches Eis gesünder als Milcheis?
Pauschal nicht. Pflanzliches Eis kann ähnlich viel Zucker und Fett enthalten wie Milcheis. Es ist laktosefrei, oft glutenfrei und je nach Sorte sojafrei. Die Frage "gesünder" hängt vom konkreten Produkt ab, nicht von der Kategorie. Was beim Vergleich hilft, ist die Bezugsgröße pro 100 Gramm und ein Blick auf die Zutatenliste.
Welches Eis ist laut Stiftung Warentest das beste?
Im Vanilleeis-Test 07/2024 erhielten elf Sorten die Note "gut". Bestes pflanzliches Eis im Test war Alnatura Vanille (Bio) mit "gut". Im Cookie-Eis-Test 2024 lagen Häagen-Dazs und weitere klassische Marken vorn, pflanzliche Cookie-Eis-Sorten teilweise im Mittelfeld.
Was bedeutet MOSH bei Eis?
MOSH steht für "Mineral Oil Saturated Hydrocarbons" und beschreibt gesättigte Mineralöl-Kohlenwasserstoffe. Sie gelangen vor allem über Verpackungen, Druckfarben und Maschinen-Schmierstoffe ins Lebensmittel. Hohe MOSH-Werte führen bei ÖKO-TEST zu deutlicher Abwertung. Die wissenschaftliche Einordnung liefert das Bundesinstitut für Risikobewertung.
Was sagt eine Bestnote bei ÖKO-TEST aus?
"Sehr gut" bei ÖKO-TEST bedeutet: keine kritischen Schadstoff-Funde, saubere Sensorik, kurze Zutatenliste, transparente Deklaration. Es ist kein Geschmacks-Sieger-Stempel, sondern ein Gesamt-Urteil aus Inhaltsstoffen plus Sensorik plus Mängeln.
Wie oft kommen neue Eis-Tests?
ÖKO-TEST und Stiftung Warentest testen Speiseeis meist einmal im Jahr, oft kurz vor oder zu Beginn der Sommer-Saison. Online-Updates zu älteren Heften erscheinen unregelmäßig. Wer aktuelle Tests verfolgen will, abonniert die Newsletter beider Portale oder schaut zwischen Mai und August in die Heft-Vorschau.
Tests sind kein Marketing-Stempel, sondern eine Orientierungshilfe. Sie ändern sich, sie streiten sich, sie schauen unterschiedlich genau hin. Wer die Methodik kennt, kauft selbst mit ruhigerer Hand. Sechs Punkte am Etikett, zwei seriöse Quellen im Hinterkopf, die eigene Geschmacks-Preferenz im Fokus. Mehr braucht es nicht.
Cremig. Klar deklariert. All Wow.