Eis 2.0: So kam die Idee vom veganen Eis

Von Jan Grabow

Wie kommt man als BWL-Student auf die Idee von nun an veganes Eis herzustellen? Diese Frage wird uns so ziemlich jedes Mal von unseren Kunden gestellt. Wir müssen zugeben: So ganz einleuchtend ist dieser Zusammenhang nicht. Es gibt dennoch ziemlich gute Gründe dafür, die Welt der Eiscreme ein Stück weit zu hinterfragen und auf den Kopf zu stellen. In diesem Artikel erfahrt ihr, was hinter der Idee vom Eis 2.0 steckt.

Netflix & Chill mit einem etwas anderen Ende

Es war ein winterlicher Abend mitten in der Klausurphase und ich freute mich auf nichts mehr als auf ein paar Stündchen Netflix mit Popcorn, bevor ich schlafen gehe und am nächsten Tag für eine wichtige Klausur weiter lerne würde.

Im üblichen Trott stöberte ich die Netflix-Startseite durch. So richtig fündig, wurde ich nicht. Einen Film schauen? Nein, so gut wie alle schon gesehen. Eine Serie? Dann hätte sich die vorbildliche Klausurphase auch erledigt gehabt. Schließlich entschied ich mich für die Dokumentationen von Netflix. Einige Freunde hatten mir diese empfohlen. Auf dem Vorschaubild einer Dokumentation war die Silhouette einer Kuh zu erkennen. Daneben der Titel: „Cowspiracy“ (hier klicken für den Trailer), angelehnt an das englische Wort „Conspiracy“, was auf Deutsch „Verschwörung“ bedeutet. Eine Kuhverschwörung? Klingt ziemlich suspekt. Immerhin ist der Titel kreativ, also Film ab! Und damit wurde vieles anders…

Auch eine Kuh muss pupsen: Aber was ist daran so problematisch?

Die Dokumentation dauerte etwa anderthalb Stunden – und sie stellte so ziemlich alles auf den Kopf. Das erste was ich tat, als der Abspann lief: Handy nehmen und im Familienchat mitteilen, dass ich mich von nun an vegan ernähren würde. Dabei war ich vorher weder Vegetarier, noch achtete ich auf meinen Fleischkonsum. Wie konnte mich eine Dokumentation innerhalb von anderthalb Stunden zu so einer Kehrtwende bewegen? Hier ein paar Einblicke:
Unser Klima ändert sich momentan dramatisch. Das tut es mit einer derartigen Geschwindigkeit, dass sich meine zukünftigen Enkelkinder mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit in einer Welt wiederfinden werden, die ich der heutigen nicht vorziehen würde. Die Dokumentation zeigt deutlich auf, was wir als einzelne Person dagegen unternehmen können: Unseren Konsum von tierischen Produkten reduzieren. Weil wir es gewohnt sind, Milch, Eier und Fleisch in unsere tägliche Ernährung einzubauen, halten wir inzwischen rund 70 Milliarden Nutztiere weltweit. Das sind durchschnittlich 10 Nutztiere pro Kopf. Diese Nutztiere brauchen Nahrung, was wiederum Ressourcen wie Wasser, Landfläche und Nahrungsmittel verbraucht. Außerdem scheiden sie dieses Futter wieder aus. Zwischen Nahrungsaufnahme und Nahrungsausscheidung entstehen Gase – die Kuh entwickelt davon extrem viele. Eins ist besonders schädlich für unser Klima: Methan. Ein Kilogramm Methan hat die gleichen Auswirkungen auf den Treibhauseffekt wie einhundert Kilogramm CO2. Weniger tierische Produkte zu essen, bedeutet weniger Nutztiere zu halten, dadurch Ressourcen zu sparen und weniger Methan in die Atmosphäre zu lassen. Die Gleichung war so einfach wie logisch und das war der Grund, warum ich meine bisherigen Verhaltensweisen so sehr hinterfragte.

Von Gedanken über die Kuh zum Eis 2.0

Die nächsten zwei Wochen meines Veganer-Daseins verliefen schwieriger als gedacht. Obwohl ich so überzeugt von dieser Ernährungsweise war, fiel es mir schwer, gänzlich auf tierische Produkte zu verzichten. Das lag daran, dass ich versuchte, Produkte wie Milch, Käse oder Fleisch durch Ersatzprodukte wie Sojamilch, Käse aus Cashewnüssen oder Tofu zu ersetzen. Das schmeckte erst einmal gar nicht. Ein Produkt konnte mich allerdings überzeugen: Ein Sojajoghurt mit Heidelbeergeschmack. Bei einer Blindverkostung hätte ich zum herkömmlichen Joghurt keinen Unterschied ausmachen können. Die Firma, die diesen Joghurt herstellte, warb mit den gleichen Argumenten wie die Macher von „Cowspiracy“. Mir wurde klar: Der Großteil der Menschen wird seinen Konsum von tierischen Produkten nur verringern, wenn sie sich nicht umgewöhnen müssen. Wenn es um Nahrungsmittel geht, sind Menschen in erster Linie mit Geschmack und Konsistenz vertraut, weshalb diese beiden Eigenschaften besonders wichtig sind. Der Joghurt war in diesen Aspekten so überzeugend, dass ich es nicht als Verzicht wahrnahm, einen Joghurt aus Pflanzen zu essen. Im Gegenteil: Ich wusste, dass dieser Joghurt nachhaltiger in der Herstellung war. Dadurch gab es für mich keine Argumente mehr, herkömmlichen Joghurt zu konsumieren. Dieses Produkt war für mich zukunftsweisend. Es war der Joghurt 2.0. Und ich wollte, dass es mehr von solchen Produkten gibt. Und dann nahm die Geschichte vom Eis 2.0 ihren Lauf…